Hildesheim, 23.10.2026. In der Nacht zum 11. November werden Schüler:innen, Lehrer:innen, Caritas-Mitarbeitende, Weihbischof Marahrens u.v.a. statt in ihre Betten in einen Sheltersuit schlüpfen, eine schützende Kombi aus Jacke und Schlafsack. Sie alle verbringen freiwillig eine Nacht im Freien, um zum Beginn des Winters auf die Situation von obdachlosen Menschen aufmerksam zu machen und um Spenden zu sammeln. Die Aktion ist der erste Sleep Out in Deutschland.
Erfrierungsgefahr für Obdachlose im Winter
Projektpartner der Aktion in einem Hof des Caritasverbandes für die Diözese Hildesheim sind die Vinzenzpforte und die Elisabeth-von-Rantzau-Schule. Die Vinzenzpforte kümmert sich um Obdachlose in Hildesheim, u.a. mit Beratung und warmen Mahlzeiten. Der 11. November ist Sankt Martin gewidmet. Der Überlieferung nach begegnete der römische Soldat Martin von Tours um das Jahr 334 einem frierenden Bettler. Er teilte seinen Mantel mit dem Schwert und gab dem Fremden eine Hälfte. Die Geschichte wurde zu einem Sinnbild christlicher Nächstenliebe. Zu den Teilnehmenden des Sleep Out gehören ein Namensvetter des Martin von Tours, Dr. Martin Marahrens, Weihbischof des Bistums Hildesheim sowie Caritasdirektorin Dr. Marie Kajewski und der international renommierte Fotograf Oliver Mark.
Weihbischof Marahrens dabei
Der Sleep Out in Hildesheim verbindet die historische Geschichte des geteilten Mantels mit einer zeitgemäßen Form praktischer Solidarität. "Eine Nacht im Freien verändert die Perspektive. Die Menschen spüren die Kälte, das Unbehagen, die Verletzlichkeit. Diese Nacht schafft Bewusstsein und Empathie", sagt der Niederländer Bart Nijsink von Sheltersuit, der die Nacht in Hildesheim begleitet. Die eingesetzten Sheltersuits werden im Anschluss an Projekte für Obdachlose verteilt. Die Sheltersuit Foundation wurde 2014 vom niederländischen Modedesigner Bas Timmer gegründet. Auslöser war der Tod des Vaters eines Freundes, der auf der Straße lebte und an Unterkühlung starb.
Der Unterschied zwischen freiwilligem Verzicht und tatsächlicher Obdachlosigkeit ist wesentlich: Die Teilnehmenden können am nächsten Morgen in ihr Leben zurückkehren. Für Menschen, die auf der Straße leben, ist sicherer und erholsamer Schlaf die Ausnahme. Kälte, Nässe, Lärm, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und die Gefahr von Übergriffen können ihre körperliche und seelische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Ein Sheltersuit kann die akute Erfrierungsgefahr mindern, wenn keine Unterkunft zu finden ist. Die langfristige Überwindung von Wohnungslosigkeit erfordert darüber hinaus bezahlbaren Wohnraum, Prävention und verlässliche soziale Unterstützung.
Achtung Redaktionen:
Gespräche mit den Initiator:innen, Fachleuten der Wohnungslosenhilfe und Teilnehmenden des Sleep Outs sind nach Absprache möglich.
Erster Sleep Out der Sheltersuit Foundation in Deutschland:
10. Nov. 20:00 Uhr bis 11. Nov. 08:00 Uhr,
Caritasverband für die Diözese Hildesheim e. V., Moritzberger Weg 1, Hildesheim