Diese Rechnung geht nicht auf. Der Freistaat Sachsen überweist Dresden im kommenden Jahr 13,7 Millionen Euro mehr für die Kitas. Die Stadt will trotzdem ab Januar von Eltern den höchsten Beitrag verlangen, den das sächsische Kita-Gesetz überhaupt zulässt: 30 Prozent der Betriebskosten im Kindergarten und im Hort. Gleichzeitig senkt sie ihren eigenen Anteil an den Kitas um fast 30 Millionen Euro. So steht es im Entwurf des Doppelhaushalts 2027/2028. Ein Teil der Einsparung geht auf sinkende Kinderzahlen zurück. Warum Eltern dann mehr zahlen sollen, erklärt das nicht.
"Im Rathaus scheint man zu glauben, dass Familien und freie Träger alles hinnehmen. Das ist ein Irrtum", sagt Johannes Richter, Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Dresden e.V., der derzeitig den Ligavorsitz innehat. "Das Land legt drauf, die Stadt streicht. Wir haben nachgerechnet, und wir erwarten, dass die Stadt ihre Zahlen auf den Tisch legt."
Die Stadt kündigt die Kürzung selbst an
Bei der Suchtberatung muss man nicht zwischen den Zeilen lesen. Das Land zahlt so viel wie bisher. Die Stadt schreibt in ihren eigenen Haushaltsplan, es müsse "eine deutliche Angebotsreduzierung vorgenommen werden". Konkret heißt das: Jede vierte geförderte Fach- kraftstelle in der Sucht- und Psychiatriehilfe soll verschwinden. Die Beratungsstellen rechnen damit, dass bis zu 530 Menschen mit Suchtproblemen ohne Hilfe bleiben. Billiger wird das für Dresden nicht. Jeder Euro in der Suchtberatung spart nach Berechnungen der Fachstellen 17 Euro Folgekosten, die sonst in Kliniken, in der Jugendhilfe und am Arbeitsmarkt anfal- len. Wer hier spart, zahlt später drauf.
Das Land verdoppelt, Dresden friert ein
Ab Januar soll in Sachsen das neue Gewalthilfegesetz gelten. Der Freistaat erhöht um 75 Prozent seine Mittel für den Schutz von Frauen vor Gewalt. Dresden reagiert, indem es die kommunalen Mittel für den Gewaltschutz auf Null herunterfährt und zusätzlich wichtigen Beratungsangeboten für von Gewalt betroffene Frauen die Förderung entzieht.
Das Budget, aus dem die Stadt die Wohlfahrtsträger fördert, darunter auch die Gewaltschutzangebote, bleibt auf dem Stand von 2026. Bei steigenden Löhnen und Mieten bedeutet das weniger Beratung und weniger Schutz. Schon 2025 mussten in Sachsen mehr als 300 Frauen abgewiesen werden, die vor Gewalt fliehen wollten, weil kein Platz frei war.
Für die Schwangerschaftsberatung gibt das Land zehn Prozent mehr. Dresden plant bis 2028 zwei Familien- und Erziehungsberatungsstellen weniger, die Kontaktstelle für werdende Eltern ruht bereits. Und selbst Familien von Kindern mit Behinderung bleiben nicht verschont: Auch im Hort an Förderschulen soll künftig der Höchstsatz gelten.
Was geschlossen wird, kommt nicht zurück
Die freien Träger haben in den vergangenen Jahren Kürzungen aufgefangen, Eigenanteile erhöht und Rücklagen aufgebraucht. Dieser Spielraum ist erschöpft. Eine Beratungsstelle, die 2027 schließt, öffnet nicht wieder, wenn sich die Kassenlage 2029 bessert. Die Fachkräfte sind dann weg, die Räume gekündigt, das Vertrauen der Ratsuchenden verloren.Dresden würde in wenigen Monaten Strukturen zerschlagen, die über Jahrzehnte entstanden sind.
Die Stadt muss Farbe bekennen
Die Liga erwartet von der Stadtverwaltung bis zum Haushaltsbeschluss am 26. November öffentliche Antworten auf drei Fragen: Wofür setzt die Stadt die 13,7 Millionen Euro zusätzliches Kita-Geld ein, wenn nicht zur Entlastung der Eltern? Warum kürzt sie die Suchtberatung, obwohl das Land nicht kürzt? Und wie passt es zusammen, dass das Land den Gewaltschutz ausbaut, während die Stadt ihren Fördertopf einfriert? Vom Stadtrat erwartet die Liga, dass er die Anhebung der Elternbeiträge auf den Höchstsatz ablehnt, über die er ge- sondert entscheiden muss, und die Kürzungen bei Sucht- und Familienberatung zurücknimmt.
Über die Liga
Neben dem Deutschen Roten Kreuz gehören der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Dresden die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Diakonie, der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Caritas sowie der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden an.
Der Zusammenschluss versteht sich als starke sozialpolitische Stimme in Dresden. Ziel ist es, soziale Teilhabe zu stärken, bürgerschaftliches Engagement zu fördern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern.
Die Freie Wohlfahrtspflege übernimmt dabei eine besondere Rolle im deutschen Sozialstaat. Nach dem sogenannten Subsidiaritätsprinzip werden viele soziale Angebote nicht unmittelbar von Staat oder Kommunen betrieben, sondern von freien Trägern umgesetzt. Dazu zäh- len beispielsweise Kindertageseinrichtungen, Beratungsstellen, Angebote für ältere Menschen oder Hilfen für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Die Wohlfahrtsverbände bringen dabei ihre fachliche Erfahrung und die Nähe zu den Menschen ein und übernehmen im Auftrag der öffentlichen Hand wichtige soziale Dienstleistungen.
Die Wohlfahrtsverbände sind Träger von Beratungsstellen, Kitas, Schulen sowie Einrichtungen der Jugendhilfe, Alten- und Krankenpflege. In Dresden arbeiten rund 8.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Bereichen.
V.i.S.d.P.
Ulrike Peter
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